Eingewöhnung eines Tierschutzhundes aus dem Ausland
Danke, dass ihr das Abenteuer Tierschutzhund auf euch genommen habt! Ihr seid bestimmt sehr aufgeregt, denn bald schon kommt das neue Familienmitglied an...
Um die Ankunft und Eingewöhnung des neuen Schützlings so einfach wie möglich zu gestalten, haben wir hier ein paar Punkte, die es zu beachten gibt, zusammengestellt.
Bitte erwartet in den ersten Wochen NICHTS von eurem Hund! Die lange Fahrt hat ihn sehr gestresst und die ganzen Eindrücke wollen erstmal verarbeitet werden. Vorab überlegte Routinen können und sollten natürlich von Beginn an etabliert werden.
Wenn der Hund ankommt, geht am besten erst mit ihm ins Haus, wenn er sich vorher draußen entleert (zumindest Pipi) hat. Freut euch! 😊 So lernt er am besten, dass er draußen sein Geschäft verrichten darf. Passiert doch mal ein Missgeschick, denkt daran: Euer Hund kennt es nicht, in einem Haus zu leben und regelmäßig rauszukommen! Das lernt er von euch und durch die Routine.
Vermeidet in den ersten Tagen Besuch, lasst ihn sich ausschlafen und fangt langsam an, eine erste Bindung aufzubauen. In den ersten Wochen immer dieselben, kleinen Runden gehen. Am besten direkt von der Haustür aus. So können die neuen Eindrücke in Ruhe verarbeitet werden, denn: Auch, wenn ihr es dem Hund nicht anmerkt, ist die Konzentration der Stresshormone im Gehirn noch sehr hoch und der Hund ist nur begrenzt aufnahmefähig. Ebenfalls lernt der Hund so seine direkte Umgebung kennen und findet im Zweifel später auch den Weg nach Hause. Kleine Runden deshalb, weil euer neuer Hund es ja noch gar nicht kennt, Gassi zu gehen. Draußen Pipi machen muss geübt werden.
Stellt eurem Hund einen, besser noch mehrere Schlafplätze zur Verfügung und schaut, wo er sich wohl fühlt. Zieht der Hund sich in sein Körbchen/ Box/Decke zurück: Lasst ihn in Ruhe!
In den ersten paar Tagen am besten weich gekochten Reis, morosche Karottensuppe und gekochtes Hühnchen in kleinen Portionen füttern, um Durchfall zu vermeiden.
Etabliert direkt in den ersten Tagen eine Routine und geht auch schonmal zum Briefkasten oder den Müll runterbringen. So lernt der Hund direkt, auch mal ein, zwei Minuten allein zu bleiben. Vergesst niemals: Alles, was das neue Familienmitglied kennenlernt, ist neu!!! Menschen, Gerüche, Geräusche. Gebt ihm Zeit, um sich an alles zu gewöhnen.
➔ Es gibt im Tierschutz eine inoffizielle 3-3-3 Regel, die besagt:
- Der Hund braucht 3 Tage, um sich überhaupt erstmal zu orientieren.
- Dann 3 Wochen, um zu merken: „Alles klar, hier bleibe ich vielleicht und so schlecht ist das hier gar nicht.“
- Und 3 Monate, um so etwas wie eine erste richtige Bindung aufzubauen und sich sicher zu fühlen.
Natürlich ist dies nur ein grober Richtwert zur Orientierung und hängt vom jeweiligen Charakter und den individuellen Vorerfahrungen des Hundes ab.
Und in dieser Zeit wachsen die als Welpen adoptierten Hunde dann zu Halbstarken heran und die ersten Probleme können sich zeigen… Bei erwachsenen Hunden können ähnliche Verhaltensweisen in einer bestimmten Eingewöhnungsphase ebenfalls auftreten. Dies ist auch normal, denn es liegt in der Natur des Hundes, in einem neuen Rudel seinen Platz finden zu wollen!
Bestimmt wird fast jeder von euch, vor allem die Welpen Adoptanten, früher oder später sagen:
- „Es war doch in den letzten Wochen so süß, als Wauzi sich auf dem Sofa breit gemacht hat.“
- „Hach, er folgt mir überall hin, das muss Liebe sein.“
- „Guck mal, er kämpft so süß mit mir um das Spielzeug.“
- Und noch ganz viel Ähnliches mehr….
Es ist verständlich und menschlich, diese Dinge „süß“ zu finden und sich nichts in Bezug auf zukünftiges Verhalten des Hundes zu denken. Doch ihr legt genau in dieser Phase die Grundlagen eurer zukünftigen Kommunikation mit dem Hund fest. Denn: die Pubertät klopft früher oder später an die Tür. Und das bedeutet: Es werden Grenzen ausgetestet! Der letzte Woche noch so niedlich-kindliche Welpe mutiert plötzlich zum im Weg stehenden oder Raum einnehmenden, knurrenden „Tyrannowauzus Rex“. Je nach Größe des Hundes oder Erfahrungen der Hundebesitzer macht dies mehr oder weniger Eindruck. Oder aber, z.B. bei einigen Hündinnen vor der ersten Läufigkeit, der Hund wird plötzlich ängstlich und zieht sich zurück. Oder: Besuch ist auf einmal gruselig und/ oder wird angeblafft. Es gibt noch zig andere Beispiele in der ein oder anderen Variation und Vehemenz. In erster Linie ist dieses Verhalten in einer bestimmten Entwicklungs- bzw. Eingewöhnungsphase „normal“, es dient dazu, Grenzen auszutesten und seinen Platz im „Rudel Familie“ zu finden.
Wichtig ist, dass sich jedes Familienmitglied darüber im Klaren sein muss. Es ist nicht plötzlich ein „Angsthund“ oder ein „aggressiver Beißer“. Der Hund möchte lediglich seinen Platz im Rudel finden und der Mensch hilft ihm dabei, als souveräner Partner. Hat man in der Vergangenheit schon von Beginn an feste Routinen und Grenzen etabliert, mit Blick auf die Zukunft, kann man auf diese gut zurückgreifen und darauf aufbauen.
Das bedeutet nicht: „Den Alpha raushängen zu lassen.“ Es bedeutete eher: „Ich bin ein verlässlicher, routinierter Rudelführer, dessen Handlungen Sinn (für den Hund) machen.“ Der Hund muss keine Kunststückchen können. Er sollte in erster Linie mit unserer Hilfe ein Familienmitglied werden und sein.
Wir versuchen, im Rahmen unserer Möglichkeiten, vor allem in der ersten Zeit für euch da zu sein und euch bestmöglich bei Problemen zu unterstützen. Dennoch sind wir keine Trainer und können ein fundiertes Training vor Ort nicht ersetzen. Deswegen kümmert euch am besten schon im Vorfeld um die Möglichkeiten professioneller Hilfe vor Ort. Denn viele haben lange Wartezeiten.